Im Bürgerhaus Möglingen ging es bei einem Vortrag von POEMA Deutschland e.V. um die Lage im Amazonasgebiet. Auf Einladung des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen sprach Gerd Rathgeb, stellvertretender Vorsitzender von POEMA Deutschland e.V., über die aktuelle Situation im größten Regenwaldgebiet der Welt.
Rathgeb beschrieb die wirtschaftlichen Treiber der Entwicklung in Brasilien nüchtern: Das Land ist heute der weltweit größte Exporteur von Rindfleisch und einer der größten Sojaproduzenten. Ein erheblicher Teil geht in den Export, unter anderem nach China. Für die Ausweitung von Weideflächen werden Regenwaldgebiete gezielt erschlossen, um zunächst wertvolle Tropenhölzer abzuholzen. Anschließend werden die Flächen häufig durch Brandrodung freigemacht und in Weideland umgewandelt. Nach Angaben internationaler Umweltorganisationen ist die Rinderhaltung einer der wichtigsten Gründe für die Abholzung im Amazonasraum.
Vom Regenwald zum Rinderwald: Nach der Abholzung des Regenwaldes kommt die Viehwirtschaft. (Foto: POEMA Deutschland e.V.)Parallel dazu breiten sich industrielle Sojamonokulturen aus. Dabei kommen großflächig Herbizide wie Glyphosat zum Einsatz, die teils per Flugzeug ausgebracht werden. Angebaut wird überwiegend gentechnisch verändertes, resistentes Soja. Rathgeb verwies darauf, dass diese Praxis Böden langfristig schädigt und andere Pflanzen verdrängt. Ein weiterer kritischer Punkt ist der Rohstoffabbau: Brasilien gehört zu den wichtigsten Exporteuren von Eisenerz, Bauxit und anderen Rohstoffen. Die Förderung erfolgt oft in großem Maßstab mit erheblichen Folgen für Umwelt und Anwohner. Beim Goldabbau wiederum wird häufig Quecksilber eingesetzt, das Flüsse dauerhaft belastet – etwa auch im Gebiet der Volta Grande, wo internationale Bergbauunternehmen aktiv sind.
Beim Anbau der Sojamonokulturen kommen großflächig Herbizide wie Glyphosat zum Einsatz, die teils per Flugzeug ausgebracht werden. (Foto: POEMA Deutschland e.V.)
Brasilien exportiert Eisenerz, Bauxit und andere Rohstoffe. Die Förderung erfolgt oft mit erheblichen Folgen für Umwelt und Anwohner. (Foto: POEMA Deutschland e.V.)Neben Umweltfragen sprach Rathgeb soziale Missstände an: In Teilen der Holz-, Kaffee- und Fleischwirtschaft gebe es weiterhin Arbeitsverhältnisse, die von brasilianischen Behörden selbst als „sklavenähnlich“ eingestuft werden. Gleichzeitig leben nach Schätzungen sozialer Bewegungen über eine Million Menschen ohne eigenes Land, viele davon in provisorischen Lagern unter Planen. Die Landlosenbewegung MST fordert seit Jahren eine gerechtere Verteilung.
Über eine Million Menschen leben in Brasilien ohne eigenes Land, viele davon in provisorischen Lagern. Sie sind auf Hilfe angewiesen. (Foto: POEMA Deutschland e.V.)
POEMA e.V. Deutschland unterstützt nach eigenen Angaben seit vielen Jahren Projekte in Amazonien, die Umwelt- und Sozialfragen verbinden. Dazu zählen Programme zur Wiederaufforstung, zur Sicherung von Trinkwasser sowie zur Schaffung kleiner Einkommensmöglichkeiten für lokale Gemeinden. Die Projekte entstehen in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vor Ort. Rathgeb machte deutlich, dass diese Initiativen im Vergleich zur großflächigen Zerstörung nur begrenzte Wirkung haben. Für die beteiligten Gemeinden seien sie jedoch oft entscheidend. Der Vortrag zeigte damit beides: das Ausmaß der Eingriffe in den Amazonasraum – und die Möglichkeiten, zumindest im Kleinen gegenzusteuern und den Bewohnern vor Ort Hoffnung zu geben.
Ein Beispiel von POEMA für ein Wiederaufforstungsprojekt. (Foto: POEMA Deutschland e.V.)
Gerd Rathgeb vom Verein POEMA Deutschland e.V. bei seinem Vortrag im Bürgerhaus: Der Raum war gut gefüllt, die Diskussion im Anschluss lebhaft. (Foto: OV Möglingen)